Hilde Willes

Hilde habe ich das erste Mal beim Autorentreffen in Hannover "erlebt" - und wenn ich "erlebt" sage, dann meine ich "erlebt". Sie kann wunderbar Geschichten erzählen (mit visueller Unterstützung ☺). Auch sie hat sich der Herausforderung "was-könnte-dein-Protagonist-von-Rich-wollen" gestellt und ihn sogar für diese Challange in eine Szene in ihrem aktuellen Buch hereingeschrieben. Ich danke für die Ehre, Rich für die Pizza (die Szene findet man unter "gelöschte Szenen" ... nicht ☺)

"Eine Leseprobe aus meinem dritten Roman "Let's talk about 6", in die ich Neals großartigen Rich ... Niclas Richmond ... mit eingebaut habe ... "


„Aber nein, ich möchte ja gerne. Das heißt, ich muss … Ich will auch, nur …“
Emma wusste nicht weiter, drehte und drehte sinnlos ihre Spaghetti um die Gabel. Doch dann legte sie das Besteck zur Seite. „Im Moment ist’s eine etwas schwierige Zeit. Aber ich habe die Bewerbung fertig. Morgen bringe ich sie vorbei.“
Als sie ihren Teller von sich schob, stach sie sich an der Baccara. „Au!“ Eigentlich war’s ein ganz anderer Schmerz. Emmas Blick fiel auf das italienische Liebespaar, nicht weit von ihrem Tisch.
„Is love a tender thing? It is too rough, too rude, too boisterous; and it pricks like thorn.”
“Was hast du gesagt?”
„Nichts!“ Emma prang auf. „Seid mir bitte nicht böse, aber ich muss jetzt gehen!“
Draußen wurde ihr schwindelig, zu viel Alkohol, zu viele Emotionen. Nichtsdestotrotz war die milde Frühlingsnacht mit Abertausenden von Sternen übersät. Einen Moment lang blieb sie stehen und blickte hoch zum Firmament, dachte an all die gemeinsamen Träume, Wünsche, Pläne, die sie doch gehabt hatten. Karsten wollte so gerne noch einmal nach Australien. Schwärmte von Zeit zu Zeit von dieser Reise mit seinen Eltern, als er noch ein Junge gewesen war. Vom Himmel dort, so weit und tief! Ein kleines Gläschen roten Sandes hatte er mit nach Hause gebracht und einen Stein. Sobald die Kinder etwas älter wären … das war der Plan gewesen.
Oder Emmas Traum von einer Kreuzfahrt, irgendwo übers blaue Meer, und bei Sonnenuntergang wollte sie mit Karsten am Bug stehen, genauso wie in der Titanic.
Wie konnten sie das nur vergessen haben? Erneut kämpfte sie gegen Benommenheit und aufsteigende Tränen, aber tapfer setzte sie Schritt für Schritt nach Hause.
Unterdessen blieb es Greta, den anderen zu erzählen, was los war … Nämlich, dass Emmas Mann von jetzt auf gleich gegangen war, einfach so und ohne dies wirklich zu erklären. „Sie scheint tatsächlich ahnungslos. Sagt, dass es keine nennenswerten Probleme oder Streitigkeiten gegeben habe.“
Karin und Nathalie blickten Greta fassungslos an. „Deswegen also …“
„Arme Emma!“
Karin schob nun ebenfalls ihren Teller beiseite, denn auch ihr war der Appetit vergangen. Kurzentschlossen schnappte sie nach ihrem Handy, telefoniert mit jemandem, den sie Rich nannte. Mit großen, erstaunten Augen verfolgten die anderen das Gespräch, hielten sich dabei an ihren Weingläsern fest.
„Er kommt!“, berichtete Karin mit diesem ihr eigenen energischen Blick. „Niclas Richmond, Privatdetektiv! Früher war er mal Journalist, daher kenne ich ihn. Stellt euch vor, er ist ganz in der Nähe. Und er hat Appetit auf Pizza!“ Der Zufall wollte es wohl so.

Eine gute halbe Stunde später saß Rich an ihrem Tisch, bestellte eine extra-scharfe Pizza Mafia. Während er aß, musterte er die aufgewühlten Mienen seiner neuen Klientinnen, ahnte, dass da mehr als nur eine Sache im Argen lag.
Genau das ging auch Nathalie durch den Kopf, fragte sich, ob Rich wohl ebenfalls herausfinden sollte, was eigentlich mit André los war, dem Mann, den sie bald heiraten würde. Denn sie spürte schon lange, dass da irgendetwas nicht stimmen konnte …
Und Karin, wenn sie ehrlich war, hatte sie Sonja trotz allem nie wirklich vergessen können. Diese beste Freundin, die ihr so übel mitgespielt hatte. Ob man sich doch noch einmal im Leben begegnen sollte, wenn auch nur, um …
In Gretas Gedanken hingegen tanzte so vieles wild durcheinander. Würde es sie weiterbringen, wenn sie wüsste … Ein andermal vielleicht! Sie straffte ihre Schultern und erzählte Rich Emmas Geschichte, denn dies hatte Vorrang … vor allem.
Und Rich spülte seinen letzten Bissen hinunter mit dem vollmundigen, roten Wein, murmelte: „Shakespeare! Romeo und Julia! Ist Lieb ein zartes Ding? Sie ist zu rau, zu wild, zu tobend, und sie sticht wie Dorn.“ Dann krempelte er seine Hemdsärmel hoch …


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