Gabi Büttner

Auch Gabi hat sich der Herausforderung gestellt, einen ihrer Protagonisten zu Rich zu schicken. Und ich glaube, Richs Interesse wäre da durchaus geweckt, denn sie erschafft spannende Charaktere.

Hier also eine kleine Szene aus dem McLain-Universum, von dem es 2018 mehr zu lesen geben wird :-)

Fröstelnd zog er den Mantel enger um sich. Seit einer Woche trug er bereits diese Kälte in sich und egal was er tat, ihm wurde nicht warm.
Wie auch, wo er doch wusste, dass der Körper seines Geliebten von kühler Erde umschlossen wurde?
Seine Knie knackten, als er sich in die Hocke sinken ließ und eine einzelne weiße Rose auf die unscheinbare Grabplatte legte. Weiß und rein, wie die Seele des Verstorbenen.
Seine Lippen verzogen sich zu einem bitteren Lächeln. Seele … Er hatte nie an dieses Mist geglaubt.
Nun hoffte er, es gäbe wirklich so etwas wie ein Weiterleben nach dem Tod. Oder wenigstens einen Ort, an dem es möglich war ein paar letzte Worte mit geliebten Menschen zu wechseln, die einem viel zu früh entrissen wurden.
Gäbe es nur die geringste Chance darauf, er hätte sich die Magnum an die Schläfe gehalten und abgedrückt. Aber das wäre feige gewesen und bei allem was er in seinem Leben bereits falsch gemacht hatte, Feigheit zu zeigen gehörte nicht dazu.
Mit dem Finger strich er leicht über die Inschrift der Grabplatte. Seine Kehle wurde eng, als er nichts weiter spürte als den harten Granit.
’Was hast du denn geglaubt?’, tadelte er sich. ’Die Wärme seiner Haut spüren zu können?’
Das leise Lachen, das durch seinen Geist wehte, war nicht das seine. Er schloss die Augen, lauschte, wollte es festhalten, wusste er doch, dass er es niemals wieder hören würde. Ebenso wenig wie er je wieder in diese sanften braunen Augen sehen würde, nie wieder den Geschmack der Lippen kosten durfte, die sich ihm willig öffneten. Niemals wieder die absolute Sicherheit empfinden, nicht allein zu sein.
Auf alles hätte er verzichtet, würde irgendeine Macht seinen Geliebten zurückholen.
’Gott’, dachte er, ’komm und hol ihm mir zurück. Ganz gleich was ich dafür tun muss. Nimm mich, nimm mein Leben, aber hol ihn zurück!’
Nur Schweigen antwortete ihm. Eine Stille, die wie ein tonnenschweres Gewicht auf ihm lastete und ihn niederdrückte.
„Gott! Hol ihn zurück!“
Er bemerkte erst, dass er geschrien hatte, als seine Kehle brannte. Aber was machte das schon? Sein ganzer Körper schmerzte, sein Geist, sein gesamtes Sein.
Sein Blick fiel auf seine Hände. Müde registrierte er, dass er seine Finger in den Boden gegraben hatten. Fast, als wolle sein Unterbewusstsein ihn zwingen, sich zu dem Körper durchzuwühlen, der nur wenige Meter unter ihm ruhte.
Beinahe erschrocken wich er zurück. Durch die abrupte Bewegung landete er auf seinen Hintern, hatte aber nicht die Kraft sich aufzurichten. Wozu auch? Wozu weitermachen? Weiter kämpfen?
Tränen brannten in seinen Augen, doch er ließ sie nicht über den Rand treten.
Früher, in einem lang vergessen geglaubten Leben, war ihm eingebläut worden, zu weinen wäre ein Zeichen von Schwäche. Und auch wenn er sich schwächer fühlte als je zuvor, brachte er es nicht über sich, seine Trauer offen zu zeigen.
Sein Geliebter hatte ihm beigebracht, Gefühle zuzulassen. Dass sie weder eine Schwäche, noch eine Schande waren. Hätte er es doch niemals gestattet. Dann würde ihm der Schmerz jetzt nicht den Verstand rauben.
’Aber dann wüsstest du jetzt auch nicht, wie sich Liebe anfühlt. Hättest nie Freude verspürt, so groß, als wolle sie dir ein Loch in die Brust brennen, weil sie dich mit Wärme erfüllte.’
Das wäre es, was sein Geliebter gesagt hätte. Er konnte die Worte beinahe hören.
Langsam legte er den Kopf schräg.
’Sprich mit mir’, flehte er. ’Selbst wenn ich dich nur in meinem Kopf hören kann und nie wieder ein anderes Geräusch zu mir durchdringt. Bitte, rede mit mir.’
Doch es blieb still. Dafür meinte er, ein bedauerndes Kopfschütteln zu sehen, wann immer er die Augen schloss.
’Ja’, dachte er und blieb mit geschlossenen Augen sitzen. ’Sieh! Höre!’
Dazu musste er nichts weiter tun, als hier zu sitzen und zu warten. Ganz leise und regungslos.
Es war ihm gleich wie lange es dauern würde, solange er nur einen winzigen Hauch wahrnehmen konnte, der ihm die Anwesenheit des Mannes vorgaukelte, der ihm so viel bedeutet hatte.
Erneut zog er den Mantel enger um sich, krümmte sich zusammen, verharrte dann. Er würde geduldig auf seinen Einritt in die Ewigkeit warten. Aber davor gab es noch eine Sache, die er erledigen musste.
Er zog sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer, die ihm gegeben worden war.
„Richmond“, meldete sich eine Stimme, die für einen Moment die Kälte in ihm vertrieb.
Niclas „Rich“ Richmond – Privatdetektiv. Einer der Besten, laut den Gerüchten, die über diesen Mann im Umlauf waren.
„Helfen Sie mir den Mörder meines Parners zu finden“, bat er Rich, während er ein letztes Mal die Buchstaben auf der Grabplatte mit den Fingern nachzeichnete.

2018 - 2017 kann man von ihr schon zwei Bücher der Reihe "Die Macht der Clans" lesen:


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