Beatrice Hiu

Beatrice hat ebenfalls einen ihrer Protagonisten zu Rich geschickt und ihn in eine unbekannte Welt entführt. Ich glaube, sie hat Rich ziemlich in Schwierigkeitkeiten gebracht - aber er lebt ja von Herausforderungen:

Rich war sauer. Stinksauer sogar. Eben war er noch in seinem Wohnzimmer gewesen und dann war aus dem Nichts ein farbiges Tor vor ihm aufgetaucht, ein Mann hatte nach ihm gegriffen und jetzt saß er hier in diesem Raum ohne Fenster und Türen fest. Er klopfte die Wände ab, um einen verborgenen Ausgang zu finden, aber da war nichts. Was zum Teufel ging hier vor und wo war er? Er hörte ein leises Rascheln hinter sich und fuhr herum, bereit zum Kampf
Der Mann, der ihn vorher gepackt hatte, stand vor ihm und lächelte freundlich. „Hallo Rich. Entschuldige bitte die überstürzte Einladung, aber wir haben einen Auftrag für dich.“
„Einladung? Was für eine Scheißeinladung?“ Rich starrte den Mann zornig an. Verdammt. Wo war der Typ plötzlich hergekommen? „Du hast mich gekidnappt, du Arsch.“
„Ich muss schon bitten. Ich verstehe ja, dass du aufgebracht bist, aber ein bisschen Anstand sollte schon sein. Der Großmagier mag Unhöflichkeit überhaupt nicht.“ Der Mann lächelte gleichbleibend freundlich, aber seine Worte hatten einen warnenden Unterton bekommen. „Ach ja, um der Höflichkeit Genüge zu tun: Mein Name ist Tynos. Ich bin der erste Berater von Cherus, dem Großmagier aller Dunkelmagier und zukünftigem Herrscher der Welt Kysano. Wer du bist, weiß ich ja bereits.“
Rich schüttelte den Kopf. Großmagier? Dunkelmagier? Kysano? Das konnte doch nur ein Traum sein. Das letzte Glas Bourbon war wohl eines zu viel gewesen. Er kniff sich heftig in den Arm, aber das änderte nichts. Kein Traum.
Tynos grinste breit. „Du kannst dich kneifen solange du willst, es wird nichts nützen. Du bist schon wach. Und du bist hier, um einen Auftrag von uns anzunehmen. Deshalb gehen wir jetzt zu Cherus und ich rate dir, höflich zu sein. Er ist sehr ungeduldig und manchmal …. na ja, leicht unbeherrscht.“
„Ich gehe nirgendwo hin und wenn du denkst, du kannst mich zwingen, hast du dich getäuscht“, erwiderte Rich noch wütend, aber da standen sie auch schon vor einem eindrucksvollen Tor. Rich sah sich ungläubig um. Verdammt, was war das jetzt wieder gewesen?
Tynos klopfte und erklärte, während das Tor sich knarrend öffnete: „Das ist der Eingang zum Audienzsaal. Sollte wieder mal geölt werden, würde ich sagen. Komm jetzt, Cherus wartet.“
„Na dann soll er warten“, zischte Rich und stieß Tynos heftig von sich weg. So billig würden ihn diese Typen nicht kriegen. Er rannte zu dem offenen Fenster, das er gesehen hatte, wurde aber von einem Blitz, der direkt vor seinen Füssen in den Boden schlug, eines Besseren belehrt. Total geschockt starrte er auf das Loch im Boden. Scheiße! Die meinten es ernst. „Okay, okay. Bleiben wir doch ganz ruhig. Ich komme ja schon.“
„Na also, geht doch“, sagte Tynos zufrieden und schob Rich vor sich durch den Eingang. „Hier ist er, Herr. Allerdings muss ich sagen, er ist leider etwas widerspenstig. Ich denke aber, das wird besser, jetzt wo er den Ernst der Lage erkannt hat. Nicht wahr, Rich?“
Rich schluckte leer. Er wäre beinahe von einem Blitz gegrillt worden. Und das in einem Gebäude. Er sah zu Cherus, der eine pulsierende, schwarze Kugel wurfbereit in der Hand hielt und antwortete schnell: „Äh, ja klar. Ich habe ihn erkannt. Ich meine, den Ernst der Lage. Er ist mir sozusagen vor die Füße geknallt.“
Cherus zog eine Augenbraue hoch. „Er quatscht etwas viel, finde ich. Denkst du wirklich, er ist der Richtige für unsere Angelegenheit, Tynos?“
„Ja, Herr. Er ist einer der besten Privatdetektive in seiner Welt. Ich bin mir sicher, er wird sie finden. Und jetzt lasst den Todesball verschwinden, Herr. Er wird nicht nötig sein.“
Todesball? Scheiße, Scheiße, Scheiße!!! Die waren ja total irre. Was um alles in der Welt konnten die Typen nur von ihm wollen?
Cherus zögerte einen Moment, ließ die Kugel in seiner Hand dann aber verschwinden. „Na gut. Also zum Geschäft. Du wirst zwei Mädchen für uns finden. Sie sind durch ein Portal in deine Welt abgehauen und wir wollen sie wieder haben. Du musst sie hierher zurückbringen. Sie gehören nicht in deine Welt, sondern nach Kysano.“
„Zwei Mädchen. Ja, okay, das kann ich tun. Wie sehen sie denn aus? Habt ihr ein Foto?“ Rich hatte sich entschieden, allem zuzustimmen, was sie wollten. Hauptsache er kam heil von hier weg.
Tynos runzelte die Stirn. „Ein Foto? Was soll das denn sein?“
„Ähm, das ist so eine Art Momentaufnahme. Man nimmt einen Apparat und der macht dann ein Foto und …“, versuchte Rich zu erklären, gab dann aber auf, als er die verständnislosen Blicke der beiden Männer sah. „Ach egal, habt ihr ein Bild von ihnen?“
„Hier“, sagte Tynos und drückte Rich ein Blatt Papier in die Hand. „Das sind sie. Sie heißen Leeza und Jizahan, aber vielleicht nennen sie sich in deiner Welt anders. Sie sind äußerst mächtige Jungmagierinnen.“ Er packte Rich am Arm und zerrte ihn zu einem schimmernden Tor schräg hinter ihnen. „Du musst sie uns wiederbringen. In einer Woche hole ich dich wieder her und dann wollen wir Ergebnisse sehen.“ Bevor Rich noch etwas erwidern konnte, hatte Tynos ihn durch das Tor gestoßen und er fiel ins Bodenlose.
Eine gefühlte Ewigkeit später schlug Rich hart auf seinem Wohnzimmerboden auf. „Autsch! Verdammte Scheiße!“ Rich rieb sich sein Steißbein. Das würde er noch eine ganze Weile spüren. Er stand auf und betrachtete das Bild in seiner Hand. Die Mädchen sahen glücklich aus. Fröhlich und unbeschwert. Wenn sie tatsächlich hier waren, würde er sie finden. Er musste sie finden. Er musste sie vor diesen Irren warnen. Und er musste sie fragen, was er gegen diese Typen machen konnte.
© Beatrice Hiu

Wer mehr über Kysano erfahren möchte:

 


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